Gehweg mit Laub
How to's Verkehr

5 Tipps für sicheres Radfahren im Herbst

Der Morgen verlief etwas hektisch. Für den Blick auf den Wetterbericht und eine kurze Prüfung aus dem Fenster war keine Zeit. Auf dem Weg zu Fahrrad merkt man, dass es heute eindeutig kühler ist. Die Fahrt geht los. Bereits nach 2 Minuten werden die Finger kalt. Es folgt dieses frostige Gefühl am Hals. Der frische Wind pustet einem braune Blätter ins Gesicht. Die Dämmerung ist noch nicht abgeschlossen. Hochhäuser werfen lange Schatten auf die Straßenschluchten. Kurz vor dem Abbiegen zeigt man die neue Fahrtrichtung mit der rechten Hand an und biegt ab in die Seitenstraße. Das Vorderrad rutscht weg und man fängt sich knapp, in dem man blitzschnell seinen rechten Fuss vom Pedal nimmt. Puh, das ging noch mal gut.

Jeder Alltagsradler war schon mal in dieser Situation, als man in den ersten Herbst geschlittert ist. Die warme Sommerzeit ist nun vorbei. Temperaturen morgens und abends schaffen es nur noch selten über 10°C. Das stellt viele Radfahrer vor Herausforderungen und Überraschungen. Unbeschwerte Zeiten sind für dieses Jahr zu Ende: einfach auf das Fahrrad steigen und ohne jegliche Vorbereitung starten. In der kalten und nassen Jahreszeit sieht das leider anders aus.

Äußere Bedingungen erfordern andere Ausrüstung und Kleidung. Allein die gestiegene Menge an Material erfordert mehr Stauraum. Im Sommer tut es eine kleine Tasche oder ein Rucksack. Manche Radler sind das ganze Jahr mit Packtaschen unterwegs. Zu dieser Fraktion zähle ich nicht.

Ich bin gespannt auf euer Feedback. Was macht ihr im Herbst anders? Fahrt ihr nur gelegentlich mit dem Rad oder pendelt ihr auch in der kalten Jahreszeit? 

Schwarzes 8Bar Fahrrad mit Beleuchtung und Reifenpanne
Reelight Beleuchtung und Reifenpanne

Tipp Nr. 1: Beleuchtung

Wenn der Sommer zu Ende kommt, dann vergrößern sich die dunklen Randzeiten des Tages. Viele Radler vernachlässigen dieses Thema. Wer täglich mit dem Rad unterwegs ist, der weiß aber um die Wichtigkeit. Besonders in Städten geht es nicht darum etwas zu sehen sondern um gesehen zu werden. Immer mehr PKWs verfügen über permanentes Tagfahrlicht. Außenwerbung und Gebäude werden mit immer hellerer Beleuchtung versehen. Auch wenn es etwas frustrierend ist: Radfahrer müssen sich dem anpassen!

Besonders das Thema Tagfahrlicht bei PKWs und Motorrädern hat mich auf die Idee gebracht die permanente sowie unkomplizierte Beleuchtung von Reelight an meinem Rad zu haben. Ein wirklich positiver Nebeneffekt: man kann seine Beleuchtung nicht mehr vergessen. Ich habe bereits damals die Kampagne beobachtet und dann vor 2 Jahren ein Set aus Dänemark bestellt. Kein Dynamo und keine Kabel. Die Technik ist vergleichbar mit einem Fahrrad-Tacho und absolut wartungsfrei. Tagsüber und nachts habe ich wirklich gute Erfahrungen damit gemacht. Einzig in der Dämmerung sollte man noch zusätzliche Lampen haben. Irgendwie wird es da auf Achshöhe schnell übersehen.

Es wurde bereits angesprochen. Zusätzliche Beleuchtung habe ich ebenfalls damit. Diese ist allerdings zum Anstecken und immer in meinem Rucksack dabei. Für vorn ist es ein Knog Blinder, dass bei Bedarf an den Lenker kommt und hinten ein Cateye (Investition ca. 5€) an den Rucksack. Das Knog Blinder hält bei mir ca. 4 Tage im Dauerlicht-Betrieb. Danach wird es am Laptop über USB geladen. Das einfache Cateye Rücklicht funktioniert mit 4 AAA-Akkus und hält echt mehrere Monate.

Tipp Nr. 2: Kleidung

Bei der Kleidung setze ich meist auf gut sichtbare Farben. Mein Bagaboo Rucksack verfügt über zahlreiche Reflektoren. Sowohl Scheinwerfer als auch Straßenlampen reflektieren wirklich gut. Dieser Rucksack bietet ausgezeichneten Stauraum für ausreichend Regenkleidung. Da ich gern Outdoor-Kleidung aus dem alpinen Bereich trage, sind diese mit auffälligen roten oder grünen Farbtönen. So wird man auch im Schnee gut gesehen.

Meiner Erfahrung nach lohnt sich gute Regenkleidung bereits nach 3 Monaten oder dem ersten Platzregen. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Günstige Regenjacken und -hosen sind dann bereits undicht. Nun braucht man wieder zusätzliche Wechselkleidung. Qualitativ schlechte Regenkleidung ist nur schwer zu reparieren. Über die Jahre hat sich gezeigt, dass allein eine gute Regenjacke selten unter 150 EURO daher kommt. Gute Jacken überleben in der Regel mehrere Winter. Ganz ehrlich, wer 70-80 EUR für eine Monatskarte der BVG einspart und stattdessen sogar im Herbst Fahrrad fährt, der spart nicht an guter wetterfester Kleidung.

Je nach Witterung ist es oft leichter, sich einmal komplett umzuziehen. Vom Kopf bis zu den Füssen. Da bei mir mehrere Fahrräder Fußkäfige haben, bin ich irgendwann zu Gummistiefeln übergegangen.

Hier meine Empfehlungen aus den letzten 5 Jahren

  1. Schwarze Vaude Regenhose
  2. Rote Mammut Regenjacke ohne Innenbeschichtung
  3. Gummistiefel
  4. Regenfeste Handschuhe (bis 5°C und unter 0°C)

Tipp Nr. 3: Werkzeug

Jeder der im Regen schon mal einen Platten hatte und dann in der Not von etlichen Taxen angewiesen wurde, kennt das. Aus bisher unbekannten Gründen war ich dann nie in kurzer Laufnähe zum nächsten Bahnhof. Bus scheidet ja leider in Berlin aus.

Bereits für meine zahlreichen Mehrtagestouren habe ich mir vor Jahren ein Multitool zugelegt. Dort sind auch Reifenheber enthalten. Die Luftpumpen werden auch immer kleiner. Somit haben diese bereits Platz in einer Satteltasche. Ein Schlauch kostet nicht viel und ist schnell gewechselt. Das Wissen um einen Reifenwechsel spart euch enorm viel Geld. Ein kalter Regenschauer motiviert und reduziert die Wechselzeit gern um 30%. Der geübte Reifenwechsel ist in 10 Minuten abgeschlossen und das ohne fremde Hilfe.

Tipp Nr. 4: Schutzblech

Wie im Film Forrest Gump erzählt, kommt Regen nicht immer nur von oben. Jeder Radler kennt das. Sobald das Wasser nicht mehr vom Himmel fällt, kommt es von unten. Es wird durch die Räder oder den umgebenden Verkehr nach oben geworfen. Hier kann eine gute Regenkleidung helfen. Ein Schutzblech hilft dir allerdings gegen den Dreck. Der ganze Sand und Dreck wird gegen deine gute Regenkleidung geworfen und sorgt durch Reibung für erhöhten Verschleiß. Besonders Regenhosen leiden darunter, wenn immer wieder Dreck darauf geworfen wird. Dein Fahrrad wird ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Schlamm und Ablagerungen setzen sich in die Lager und Schaltungen. Werden diese Teile nicht regelmäßig gereinigt bildet sich eine dicke Kruste.

Gehweg mit Laub
Nahe Görlitzerpark im Herbst mit reichlich Laub

Tipp Nr 5: Fahrweise und Aufmerksamkeit

Wie in der Einleitung geschildert ändert sich einiges im Herbst. Das viele Laub stellt für Radfahrer eine große Gefahr da. Fahrbahnen sind schnell geräumt. Radwege aufgrund ihrer Lage oft Ablageort oder werden vernachlässigt. Somit ist bei Radfahrern erhöhte Aufmerksamkeit empfohlen. Nicht jeder ist mit gröberem Reifenprofil unterwegs. All jene mit einfachen Tourenreifen haben bei Laub weniger Kontakt zur Fahrbahn. Bei Richtungswechseln und Brems­ma­nö­vern sollte man zuvor seine Geschwindigkeit vorausschauend reduzieren. Die Kurvengeschwindigkeit sollte ebenfalls mit Bedacht gewählt werden.

Über die vergangenen Jahre hat sich der Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr stetig erhöht. Allein in Berlin hat der Radverkehr in 10 Jahren um 36 Prozentpunkte zugenommen. Jährlich gibt es einen großen Rückgang, wenn der Herbst naht. Dann sieht man nur noch den harten Kern der Radler auf der Straße. Das bemerken auch die anderen Verkehrsteilnehmer und gewöhnen sich schnell an diesen Platzgewinn. Mache nun nicht den Fehler, dich von anderen an den Fahrbahnrad verdrängen zu lassen. Nur, weil die großen Trauben von Radfahrern weg sind. Du bist auf deiner Strecke vermutlich allein unterwegs. Sei präsent und halte die entsprechenden Abstände ein. Zu Thema Mindestabstand habe ich bereits berichtet.

Sichtbarkeit ist ab Herbst ein enorm wichtiges Thema für Radfahrer. Die kalte Jahreszeit verleitet Fußgänger gern mal noch schnell über die Kreuzung zu rennen. Auch denen ist kalt. Wenn sie dich besser sehen, denken sie vielleicht noch mal kurz darüber nach. Der PKW-Fahrer, der keine Zeit für freie Scheiben investiert hat, sieht dich mit professioneller Beleuchtung und guter Kleidung einfach besser. Bitte blendet dabei aber die anderen Verkehrsteilnehmer nicht. Eventuell blendest du auch einen Radfahrer und das muss nicht sein.

Extra Tipp: Sei berechenbarer

Hier ein Ratschlag in eigener Sache. Wenn man im Herbst im Straßenverkehr unterwegs ist, nimmt die Sichtbarkeit erheblich ab. Die Kleidung wird dunkler und ein leichtes Frösteln motiviert zu einer Abkürzung. Sorgt bitte dafür, dass ihr gut gesehen werdet. Verhaltet euch auch entsprechend der gängigen Regelungen, weil euch sonst im Zweifelsfall keiner an dieser Stelle und dieser Fahrtrichtung erwartet.

Weiterführende Informationen

Der ADFC hat einen eigenen Leitfaden zum Thema Beleuchtung im Herbst veröffentlicht. https://www.adfc.de/artikel/beleuchtung-und-bekleidung-im-winter/

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