Langzeittest: Bagaboo Jumbo Rucksack

Hallo Schlechtwetter-Radler,

genau euch dürfte diese Review besonders interessieren. Wer das ganze Jahr mit dem Fahrrad zur Arbeit pendelt, muss sich auf seine Ausstattung verlassen können. Ob Winter bei Minusgraden oder Sommer mit +35°C. Eine guter Rucksack ist vorn immer dabei.

Probiert habe ich schon viele kleine und große Rucksäcke oder auch Messengerbags. Vom Typ her bin ich eher Rucksackträger. Man hat die Hände frei und muss die Tasche nicht ständig neu positionieren.

Mein absoluter Lieblings-Rucksack ist eigentlich mein Mammut Creon 25 aus 2012. Dieser hat mich über Jahre bei so vielen Radreisen und Klettertouren begleitet. Während meiner Radreise quer von Frankreich, über die Schweiz nach Deutschland oder auf dem Schweizer Breithorn auf über 4000 Meter.

Rennrad zusammenbauen, Rucksack, Fahrradkarton
Ausrüstung prüfen am Flughafen Paris

Mit Packsäcken hat alles für mehrere Tage darin Platz und das Gestell für den Rücken ist phänomenal.. Für den Pendler-Alltag ist er leider nicht so gut zu gebrauchen.  Hier benötigt es etwas vielseitiges und langfristig allwettertaugliches mit mehr Stauraum.

Taschen-Historie

Da ich seit über 10 Jahren mit dem Rad zur Arbeit pendele, habe ich bereits einiges an Erfahrungen und Produkten gesammelt. Viele Taschen habe ich nach kurzer Zeit wieder verkauft oder sie sind sogar direkt auf dem Müll gelandet. Wie bei so vielen gilt auch hier: „Wer billig kauft, der kauft zweimal.“.

Die Ausstattung hat sich meist nach verschleißbedingten Ende oder Extremsituationen geändert. Ich kann mich noch an meinen Eastpak aus der Ausbildung erinnern, aber der hat ja nicht mal leichtem Regen standgehalten. Der Komfort war vergleichbar mit einer Einkaufstüte. Für ca. 1 Jahr habe ich den oben erwähnten Mammut Creon verwendet. Durch seinen Regenüberzug und das Volumen war dieser einigermaßen praktisch. Durch das Rückengestell verliert man leider auch einiges an Packmaß. Der Regenüberzug ist nicht reflektierend rot gehalten und im Straßenverkehr leider nicht so optimal zu sehen. Irgendwann wurde mir dann eine Jack Wolfskin Messenger Umhängetasche geschenkt. Der große Vorteil war, dass die gut gegen Regen geschützt hat. Leider war sie etwas zu groß oder so eine Tasche muss beim Radfahren ständig auf den Rücken zurückgeschoben werden. Durch die Haltung auf dem Rennrad ist das noch störender. Sie ist mehr was für den normalen Fußgänger. Allerdings sind meine Sachen darin immer trocken geblieben.

Danach hatte ich einen Deuter Race. Ich verwende ihn nur noch gelegentlich, da er praktische 10 Liter Fassungsvermögen hat. Das reicht für Wechselkleidung im Sommer oder auch mal ein kleiner Laptop. Der Überzug ist in neon gelb gehalten und bereits von weitem gut sichtbar. Ich hatte mir den Rucksack in einer Zeit zugelegt, wo ich nur wenig Gepäck dabei hatte.

In 2016 war das aber alles viel zu klein. Jeden Tag habe ich Wechselkleidung und sogar Schuhe für die Arbeit dabei. Bei schlechtem Witterung kommt dann noch Regenkleidung und -schuhe dabei. Da braucht es schon einen großen Rucksack. Seit dem Kauf hält der Bagaboo Jumbo meinen absoluten Langzeit-Nutzungs-Rekord von 1,5 Jahren.

Stauraum und Vielseitigkeit

In Sachen Platzangebot und Fächer ist der Bagaboo Jumbo mit seinen 34 Litern wirklich absolute Spitzenklasse. Sowas hatte ich vorher noch nicht und seit dem Kauf bin ich davon noch immer begeistert. Mit Maßen von 32 x 48 x 22cm (Herstellerangaben) ist es wirklich ein Raumwunder. In den schlimmsten Phasen im Winter fasst das Hauptfach Winterkleidung, Winterschuhe, Regenstiefel und eine komplette Schlechtwetter-Radlermontour. Selbst dann ist oben noch einiges an Platz. Die Öffnung oben wird gerollt und der Klettverschluss kann zusätzlich ausgeklappt werden. Damit gewinnt man weitere 10cm an Packhöhe. Es passen sogar mehrere mittelgroße Pakete hinein. Das Hauptfach ist 100% Wasserdicht und durch zwei getrennte Lagen geschützt. Von außen eine Art LKW-Plane(reißfestes und widerstandfähiges Cordura) und von innen orange gefärbte Schicht(dünnere LKW-Plane). Selbst bei schlimmsten Regenfällen in Berlin, und da gab es 2017 echt heftige, wurde im Innenraum nichts nass.

Beispielfoto Innenraum Rucksack
Quelle: Hersteller Bagaboo

Auf der Außenseite gibt es 3 Taschen, ein offenes Fach nach beiden Seiten und Einsteckösen. Die Ösen verwende ich für mein Faltschloss und ein Reflektionsband. Die Taschen sind mit einem Reißverschluss vom Regen geschützt. Nur die kleinste Tasche ganz unten kann bei wirklich lange anhaltendem Regen etwas feucht werden. Die dahinter liegende Tasche ist dann allerdings schon sicher für Handys und wichtige Dokumente. Die oberste Tasche ist flach gehalten und in der Höhe fast identisch mit dem Hauptfach. Dort habe ich mein ganzes Kleinzeug, was immer mal gebraucht wird. Vom Schuhüberzug bei Regen, bis hin zu Lampen.

Tragekomfort

Es ist einfach ein großer Rucksack. Dem muss man sich bewusst sein. Selbst bei meinem Deuter Race bekomme ich einen komplett nassen Rücken, auch wenn mir die Broschüren etwas anderes erzählen. Am Rücken gibt es keine richtige Belüftung. Mich persönlich hat es bis jetzt noch nicht gestört und ich verwende den Rucksack sogar bei +30°C. Ein klimaregulierendes Rückenteil sucht man vergebens.

Man verstellt den Rucksack, wie jeden anderen auch an den Schultern. Es gibt noch einen Beckengurt, aber beim Radfahren stört mich dieser ehr. Darum habe ich ihn entfernt. Sollte ich mal schweres Gepäck zu Fuß tragen müssen, dann kommt der Gurt wieder dran. Es wird einfach der Gurt durch Ösen geführt. Einen Brustgurt gibt es ebenfalls. Den habe ich aber dran gelassen, um die Last auf die Schultern zu reduzieren. Besonders auf dem Rennrad ist das sehr praktisch.


Mit ca. 2 Kg ist dieser Rucksack kein Leichtgewicht. Entsprechend seiner Größe und den verwendeten Materialien ist das voll in Ordnung. Hält er doch ein Vielfaches seines Gewichts aus. Vermutlich kapituliere ich vorher unter der Last.

An den Seiten gibt es je zwei Riemen und an der Unterseite auch noch mal. Diese dienen dem Verzurren des Inhalts. Ist der Rucksack mal nicht so stark gepackt, kann man schon alles an den Rücken ziehen. So liegt alles besser am Rücken an und bewegt sich nicht so stark. Der Schwerpunkt ist wesentlich angenehmer. Besonders, wenn der Rucksack beim Radfahren über einem ist. Wie beispielsweise auf einem Rennrad.

Bagaboo hat ein eigenes Erklärungsvideo veröffentlicht. Der Rucksack hat sich scheinbar über die Jahre verändert. Im Groben passt es allerdings nich immer.

BAGABOO BAGS – Jumbo L from bagaboo bags on Vimeo.

Verarbeitung und Qualität

Die Verarbeitung des Rucksacks ist wirklich gut. Es gibt keine losen Fäden oder Undichtigkeiten. Selbst nach 1,5 Jahren täglichen Einrollens der Öffnung, keinerlei Verschließ. Die Halterung für das schwere Faltschloss ebenfalls ohne Blessungen und ich gehe echt nicht schonend mit dem Bagaboo um. Der Mix aus Cordura und LKW-Plane ist sehr widerstandsfähig. Bin auch schon einige Male irgendwo hängen geblieben, aber es ist nichts zu sehen.

Sicherheit

Die Tasche verfügt über mehrere gut sichtbare Bereiche. Auf dem Deckel sind mehrfarbige Streifen aufgenäht. Diese sind im Dunkeln gut zu erkennen. Zusätzlich wurde ein großer Reflektionsstreifen recht weit unten angebracht. Bei entsprechender Beleuchtung durch Rückwärtige Fahrzeuge und Straßenlaternen ist man sehr gut sichtbar.

Zusätzlich habe ich mir noch ein Reflektionsband in die Haltung hinten geschnürt. Zusammen mit dem Anstecklicht auf gleicher Höhe, leistet es gute Arbeit.

Sondermodell

Hatte den Rucksack mit nur leichter Recherche bei einem meiner Berliner Lieblings-Radläden(Goldsprint) gekauft und dort gab es sogar eine eigene Sonderedition. Mit aufgenähtem Logo und zusätzlichem Rückenpolster im inneren. Dort gibt es eine kleine Reißverschlusstasche an der Rückseite. Sehr gut geeignet für Dokumente und Laptops, die um jeden Preis ungeknickt und trocken bleiben sollen. Zudem gibt in innen noch eine kleine Netztasche für Münzen, Geldbeutel und Schlüssel.

Screenshot Webshop Goldsprint

Alternativen

Es gibt den Bagaboo auch in einer kleineren Variante. Diese hat nur 19 Liter Fassungsvermögen, kostet dafür allerdings auch weniger. In dieser Volumenklasse gibt es allerdings bessere Rucksäcke, dass muss ich klar sagen. Hier wiegen die Nachteile schwerer, im Vergleich zur Konkurrenz. Hier kann ich ehr den Creon 25 empfehlen. Da sie recht widerstandsfähig sind, sollte ein gebrauchter Mammut ebenfalls seinen Dienst tun.

Fazit

Für meinen Einsatzzweck passt der Bagaboo Jumbo total. Ich habe täglich Arbeitskleidung und Schuhe dabei. Bei unklarem Wetter kommen dann noch Regenkleidung und Gummistiefel hinzu. Wenn man dann noch Päckchen im Paketshop holt, freut man sich sehr die Hände weiterhin frei zu haben. Mir wurde sogar berichtet, dass manche den Rucksack zum Kühlen von Getränken mit Wasser füllen. Coole Idee! Ich wurde schon den öfteren angesprochen, ob ich ein Fahrradkurier bin. Wenn man sich daran nicht stört, dann hat dieser Rucksack (neben dem Gewicht) sehr wenig Nachteile. Ich habe damals 180,- EUR dafür bezahlt und bisher hat sich jeder Cent gelohnt.

Ich hoffe, der Bagaboo wird mich noch ein paar Jahre so zuverlässig begleiten.

Welche Rucksäcke über 30 Liter verwendet ihr? Schreibt mir in die Kommentare, welche Produkte ich ebenfalls mal testen soll.

2 Antworten auf „Langzeittest: Bagaboo Jumbo Rucksack“

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